Besondere Motive und der Zufall mit dem Entsafter

Besonderes-Motiv-Foto-von-einer-FassadeIch fotografiere gern. Oft werde ich dann gefragt, was ich gern fotografiere. „Alles Mögliche“, ist dann meist meine unbefriedigende Antwort.

Es gibt Leute, die stundenlang durch Wälder und Wiesen robben, um Natur zu fotografieren. Andere klettern auf Dächer um in urbanisierten Großstädten sogenannte „Lost Places“ zu entdecken. Noch andere melden sich auf diversen Internetportalen an, um als selbsternannter „Modell-Fotograf“ die Freizeit mit jungen Frauen zu verbringen.

Ich fotografiere tatsächlich alles. Die Ideen kommen mir auch meist sehr spontan und aus der jeweiligen Situation heraus.

Ein sehr einfaches Beispiel. Meine Eltern hatten sich einen modernen Entsafter gekauft und mich gebeten, ihnen beim Aufbau und ersten Betrieb zu helfen. Kein Problem. Der neue Entsafter feierte dann seine Premiere mit Apfel- und Kirschsaft, den meine Mutter stolz in Flaschen abfüllte. Ich war noch nie ein großer Fan von einfachen Säften, schwärme dafür aber umso mehr von irgendwelchen Kombinationen. Meine Eltern hatten noch eine Tüte Bananensaft im Haus und so bereitete ich mir ein Glas „KiBa“ zu. Ich füllte den Bananensaft in ein großes Glas und goss den frischen Kirschsaft aus dem Entsafter dazu. Jeder wird die Schlieren kennen, die der rote Kirschsaft in dem heustoppelgelben Bananensaft zieht.

Keine Minute später hatte ich meine Kamera in der Hand und machte mehrere Makro-Aufnahmen von den Schlieren in dem Fruchtsaft. Die Fotografien wirken fast wie moderne Gemälde. Nie wäre ich geplant darauf gekommen, die Erzeugnisse von Entsaftern zu fotografieren. Es hat sich aus der Situation ergeben und das Resultat waren interessante Bilder.

Das ist nur ein Beispiel. Man braucht sich also nun nicht sofort einen Entsafter kaufen. Was ich damit nur ausdrücken möchte: man kann theoretisch überall und zu jeder Zeit auf interessante Motive stoßen. Die besten meiner Fotos sind in solchen ungeplanten Momenten entstanden. Es kann ebenso ein besonderer Lichteinfall auf einer sonst so gewöhnlichen Fassade sein oder Wolkenspiegelungen in Fenstern oder Wasserpfützen. Eventuell ein einzelnes Herbstblatt, welches sich durch einen Sonnenstrahl beleuchtet, grell von einem sonst grau-bewölkten Himmel absetzt.

Viele Fotografen werden sich Motiven widmen, zu denen sie irgendeinen besonderen Bezug haben. Das können Bahnschienen sein, Sonnenuntergänge, Schiffe, Gegenstände oder auch besondere Menschen. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Ich habe mich dabei ertappt, dass ich gerne Fassaden fotografiere. Dabei notwendigerweise nicht eine Komplettansicht eines Gebäudes, sondern sehr oft auch nur Fragmente. Ein Giebel oder ein paar Fenster könnten es sein. Ich habe ein Foto, auf dem sich der Himmel mit den Wolken in einer Glasfassade eines Bürogebäudes so deutlich abzeichnet, als wäre es kein Haus, sondern einfach eine riesige große Glaswand.

Es passiert nicht selten, dass ich einfach ziellos durch die Stadt wandere und schaue, was sich an den Fassaden verbirgt. Das wirkt vielleicht manchmal etwas merkwürdig, da ich dabei mit einem nach Oben gerichteten Blick durch die Straßen gehe. Viele Menschen schauen beim Gehen nach unten. Probieren Sie es aus. Sehen Sie nach oben. Sie werden erstaunt sein, was es dort alles zu entdecken gibt. Selbst an Orten und Plätzen, die sie schon oft entlanggegangen sind … mit gesenktem Blick.

Man sollte mit offenen und wachen Augen durch die Welt gehen. Viele Hobby- und Profi-Fotorgafen werden bestätigen, dass man die Welt immer ein wenig anders sieht, wenn man selbst aktiv fotografiert. Dieser Blick ist ungeheuer wichtig. Ein gutes Motiv ist sehr viel wichtiger als z.B. ein hypermodernes Objektiv. Ein Umstand, mit dem sich viele der Amateurfotografen ungeheuer schwertun. Doch davon soll mein nächster Blog erzählen.

Bevor ich nun schließe: Scheuen Sie sich nicht in den Kommentaren zu posten, mit welchen Themen ich mich beschäftigen soll. Oder Sie haben Fragen, bei denen meine Meinung oder Ansicht helfen kann. Ich freue mich grundsätzlich über Zuschriften. Gern auch mit (konstruktiver) Kritik oder wenn sie andere Ansichten haben. Dafür bin ich stets offen und zugänglich.

Bilder, Bilder – wohin man auch schaut

Wir leben in einer visualisierten Welt. Bildliche Darstellungen haben Menschen schon immer fasziniert. Nur war es zu früheren Zeiten etwas komplizierter Bilder herzustellen. Bilder wurden gemalt, gezeichnet, oder in filigraner Handarbeit gewebt oder gestickt. Malerei und Zeichnungen wird man auch heute noch in Hülle und Fülle finden; wesentlich präsenter sind jedoch inzwischen Film und Fotografie. Das ist ja auch nicht schlimm – bzw. es wäre nicht schlimm, wenn Fotografie mehr und mehr zu einem Massenkonsumgut werden würde. Kaum jemand wird sich noch ein paar Tage oder gar Wochen an einem einzigen Foto erfreuen. Nein … Morgen müssen schon wieder zahlreiche neue Bilder da sein, um das visuelle Verlangen zu befriedigen. Das finde ich sehr schade.

Ich habe ein paar Lieblingsbilder. Darunter findet sich Malerei ebenso wie Zeichnungen und Fotografie. Bilder, mit denen ich ein Gefühl oder Erinnerung verbinde. Diese Bilder kann ich mir immer wieder anschauen. Hin und wieder stechen auch Bilder so aus der großen Masse hervor und bleiben dann jahrelang in meinem Gedächtnis. Um solche Bilder geht es mir. Nicht all die Milliarden Bilder und Fotos, die technisch perfekt belichtet sind oder von tollen Fotografen gemacht wurden. Nein – mir geht es um die wenigen Bilder, die einen Fußabdruck hinterlassen. Und das sind sehr oft eben nicht die Bilder, die „technisch“ vollkommen perfekt sind. Dafür haben sie eine Seele.

Die Seele eines Bildes ist nicht in Stein gemeißelt. Sie drückt sich nicht in Tiefenschärfe oder Belichtung aus, sondern beschränkt sich ganz einfach auf den Dialog, den das Bild mit dem Betrachter herzustellen imstande ist. Wie tief oder intensiv dieser Dialog sein wird, hängt jeweils von dem Betrachter ab. Ein Bild, was den einen Betrachter fasziniert, kann für einen anderen also absolut nichtssagend sein. Das liegt in der Natur der Dinge. Ob ein Bild „gut“ ist, definiert sich demnach nicht vornehmlich durch das Bild, sondern sehr viel eher durch die Wirkung auf den Betrachter.

Auf meiner visuellen Reise versuche ich genau solche Bilder zu finden.

Wenn man Sie, lieben Leser, fragen würde, welches Bild sie besonders lieben, fiele Ihnen vermutlich mehr oder weniger schnell ein ganz bestimmtes Bild oder Motiv ein. Warum es dieses und kein anderes Bild ist, ist Ihre ganz persönliche Erfahrung. Wäre es nicht schön, wenn man eher mehr solcher Bilder sehen würde, als (wie jetzt) hunderte oder gar tausende von nichtssagenden Bildern täglich?

Es kommt darauf an, wo – und vor allem wie – man schaut. Mit ein wenig Übung wird man in der Lage sein, sehr viel mehr Bilder für sich zu entdecken, als man glauben mag.

Ich möchte in diesem Blog versuchen ein wenig davon zu verraten, wie ich Dinge und Bilder sehe und mit ihnen in einen Dialog trete. Vielleicht kann der eine oder andere Leser darin ein wenig Anregung für sich selbst entdecken. Das würde mich freuen.

Erinnert sich jemand an Prismen, die man früher oft im Schulunterricht dazu nutzte hindurchzuschauen? Obwohl der optische Trick relativ einfach war, war ich als Jugendlicher sehr fasziniert von dieser neuen Sichtweise. Ganz ähnlich empfinde ich Heute die Fähigkeit, Dinge durch den Sucher einer Kamera „anders“ zu betrachten, als man es gewohnt ist. Jedes Foto sieht man zuerst im Sucher. Man muss sich dann entscheiden, ob das Bild so gut ist, dass es sich lohnt, den Auslöser zu drücken. Betrachtet man die Welt und die Dinge darin, durch den Sucher einer Kamera, so wird man sie anderes wahrnehmen. Ganz ebenso wie mit einem Prisma.

Diesen Blick kann man Üben. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen, aber sicherlich jedem Menschen möglich sein, der sich ein wenig damit beschäftigt.